WARNUNG!

Achtung! Gruselschocker!

Nur für Menschen mit starken Nerven!

Nichts für Kinder! Deshalb nur für Erwachsene!

Nur Lesen, wenn man mit dem Fürchterlichen leben kann!

Besondere Vorsicht empfohlen für Personen mit Herzschrittmacher.

Nicht für Menschen mit hohem Blutdruck geeignet

oder für Leute, die sich leicht aufregen!

 

 

 

Liebe Freunde,

immer mal wieder werde ich gefragt, was wir während meiner Kindheit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich für ein merkwürdiges Geschäft hatten, und damit ich es nicht immer wieder langwierig erklären muß, erzähle ich es Euch hier.

 

Also, das war so: Meine Großeltern hatten im und nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganz normale Welpen-Schlachterei. Damit konnte unsere Familie ganz gut überleben und wir hatten immer gutes und leckeres Fleisch zum Essen. Es gab ja sonst so gut wie kein Fleisch zu kaufen. Schweine und Kühe konnte man nur sehr schwer halten.

 

Zur Zucht hatten wir zwei, drei Rüden (kleine und mittelgroße Mischlingshunde) und in der Hoch-Zeit im Krieg und kurz danach bis zu vierzig ebensolche Hündinnen. Die so gezeugten Hundewelpen wurden dann ordentlich aufgezogen und im Alter von ca. drei bis vier Monaten, nachdem sie circa vier Kilogramm Gewicht erreicht hatten, der Verarbeitung zugeführt. (Die Welpen der großen Hunderassen hatten einfach nicht das zarte Fleisch und auch nicht den feinen neutralen Geschmack der kleineren Rassen.) Und weil die Firmenbezeichnung „Welpen-Schlachterei“ so häßlich klang, haben meine Großeltern unsere Firma bald nach der Gründung in „Welpen-Mästerei“ umbenannt. (Heute würde man es wahrscheinlich „Welpenfarm“ nennen.)

 

Zuerst wurden die Welpen per Messer getötet, später dann „humaner“ mit Gas. Aber Gas bekam dann so kurz nach dem Krieg einen etwas unangenehmen „Beigeschmack“, Ihr wißt bestimmt, was ich meine. Deshalb verwendeten wir später ganz tierfreundlich Flüssigstickstoff, in das die Tiere nur noch kurz hinein getaucht werden mußten. Hummer werden heute noch ins kochende Wasser gesteckt; ich weiß nicht, was da weniger schlimm ist.

 

Die Welpen wurden in der Regel komplett (aber ohne Kopf) an die Kunden ausgeliefert, nur das Fell wurde ihnen vorher abgezogen und auf Wunsch lose der Sendung beigelegt. Später, nach dem Krieg, konnten auch wieder Pakete per Post verschickt werden, noch etwas später dann sogar Vakuum-verpackt und in Klarsichtfolie verschweißt – und natürlich mit einem neutralen Karton drum herum.

 

Viele Kunden verlangten dann aber immer öfter ausgenommene Tiere. Deshalb stellten wir aus den Hunde-Köpfen und aus den Innereien mit Hilfe vieler selbstgesammelter Kräuter und einer reichen Auswahl an Gewürzen eine sehr schmackhafte Sülze her, die in kleinen Dosen und später in Gläsern mit praktischem Schraubverschluß abgepackt wurde.

 

Und dann erst unsere feinen Pasteten! Außen eine dünne Teighülle, innen deftig-würzig, oben zartes Beeren- oder Frucht-Gelee. Man riß sie uns aus den Händen und wir hatten immer viel zu wenig davon.

 

Übrigens: Weil viele Kunden die Felle nicht haben wollten, wurden diese später einzeln oder auch zu mehreren an darauf spezialisierte Hobby-Kürschner verkauft. Meistens wurden Handschuhe, Jacken oder, in Einzelfällen, sogar Mäntel daraus gefertigt. Ich hatte als Kind auch solche Handschuhe und ich erinnere mich noch immer gerne daran zurück.

 

Außer dem Fleisch hatten wir dann auch noch Welpenschmalz im Angebot.  Das absolut neutral schmeckende und kaum nach Hund riechende Schmalz wurde im und direkt nach dem Krieg außer zum Braten mangels anderer Cremes und Salben gerne auch als vitaminhaltige Hautcreme (reich an Vitamin D und E) und Wundsalbe verwendet. Später dann eher (mit Majoran, Nelken, etwas Salz und ein paar geheimen Gewürzen) als Brotaufstrich für Liebhaber, die das Besondere zu schätzen wußten.

 

In den fünfziger Jahren stellten wir dann auch eine Variante mit Apfelstückchen und Grieben her. In den Alpenländern gab und gibt es noch heute das berühmte und erprobte Murmeltierfett, mit dem man sich noch immer gerne zur besseren Durchblutung einreibt.

 

Wichtig war meinen Großeltern und Eltern schon damals, daß die Hündinnen vernünftige, trockene Wurfboxen hatten und daß es für alle stets genug Platz gab. Bis zur Währungsreform  1948 hatten wir ständig große Probleme bei der Beschaffung des Hundefutters; auch davon mußte es immer genug geben. (Bei der Herstellung durfte man dann nicht zimperlich sein.)

 

Von Tierquälerei kann also im Großen und Ganzen gar keine Rede sein; das haben die uns feindlich gestimmten Nachbarn immer ganz falsch beurteilt. Ganz im Gegenteil: Alles war so tiergerecht wie möglich, obwohl das Wort „artgerecht“ damals noch gar nicht erfunden war. Tierschutz im heutigen Sinne gab es auch noch nicht. Mit einem Wort: Alles ging sehr ordentlich und natürlich von statten. Menschen essen schließlich von Anbeginn und überhaupt seit Jahrtausenden die Tiere ihrer Umgebung auf. Und wir mußten ja von Irgendetwas leben. So waren wir bei den Ersten, die in unserer Kleinstadt einen neuen Mercedes anschaffen konnten. Man kann es sich heute natürlich nicht mehr vorstellen, aber viele Menschen hatten damals weder Arbeit noch Auskommen. Wir waren daher froh, mit unserer Arbeit etwas Geld zu verdienen und unsere Familie am Leben zu erhalten. (Und in der Schule wurde ich auch immer völlig unverdient gehänselt.)

 

Mitte der fünfziger Jahre ging es mit dem Umsatz zurück. Es gab längst genug Schweine- und Rindfleisch beim normalen Metzger. Daher wurden dann bis in die späten sechziger Jahre nur noch private Gourmets in Deutschland und in den umliegenden Ländern beliefert. Vor allem in Belgien war man noch lange „hundefreundlich“.

 

Katzen haben sich übrigens auch immer sehr gut für den menschlichen Verzehr geeignet, besonders nach dem Krieg, als schlaue Bauern diese gerne als Hase verkauft haben. (Hasen und Katzen ohne Fell sehen absolut identisch aus und man kann sie eigentlich nicht unterscheiden.) Und die dabei anfallenden Katzenfelle wurden schon immer (und auch heute noch) gerne gegen die Beschwerden bei Gicht und Rheuma verwendet.

 

Und wer sich jetzt mit Grausen von mir abwendet und mir vielleicht sogar die Freundschaft kündigt, dem rufe ich laut entgegen: Ißt Du etwa kein würziges Lammkotelett, kein knuspriges Spanferkel, kein zartes Kalbsschnitzel? Keule vom Wildschwein-Frischling? Rehrücken? Oder andere Streicheltiere?? Stubenküken? Wachteln? Täubchen? Frösche? Zwergkaninchen, die extra nur als Lebendfutter für Schlangen gezüchtet werden? Wie ist es mit Nerzen und Chinchillas? Diese armen bedauernswerten Tiere züchtet man nur als Pelzlieferanten.

 

Die meisten Menschen sind nunmal keine Tierfreunde. Warum also keine artgerecht geschlachteten jungen Hunde? Ich jedenfalls liebe Welpen. Die sind schließlich etwas ganz Besonderes. Sie sind immer sehr zart und lecker und werden beim sorgfältigen Grillen schön knusprig! Vor allem mit etwas Knoblauch, Ingwer und Thymian außenherum und einer würzigen Brot-Hackfleischfüllung mit etwas Rosmarin und Majoran. Oder sorgfältig mariniert und vier, fünf Tage in Rotwein zusammen mit ein paar Lorbeerblättern und Wacholderbeeren eingelegt. Oder im knusprigen Teigmantel.Oder nach dem Marinieren durch den Wolf gedreht und die Farce dann in einer kleinen Pastetenform abgefüllt. Oder…

 

Ein Heft mit erprobten und bewährten Welpen-Rezepten reiche ich deshalb für Kenner und Liebhaber gerne nach. Bitte nicht aufregen, das Ganze war nur Spaß und entstammt der wirren Phantasie (m)eines kranken Hirns. Natürlich ist alles einfach nur erfunden und bei einem feuchtfröhlichen Abend spontan ausgedacht worden…

 

 

 

 

Aufgrund der teilweise recht hoch schlagenden emotionalen Wellen der Leser, möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, daß der obige Beitrag nicht aus meinem eigenen Leben stammt und auch nicht meine persönliche Meinung widerspiegelt, sondern ganz einfach nur von mir erfunden worden ist. 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2013 Wilfried R. Virmond


 

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Aktualisiert: 09.05.2020