Mein Wunschtraum

 

Ich möchte so sein wie..., ähh, wie hieß der Typ doch gleich? Na, der mit der Augenmaske. Nein, nicht Phantom. Keiner der Panzerknacker. Auch nicht Batman oder Robin oder wie die alle heißen. Mist, jetzt fällt mir der Name schon wieder nicht ein. Wie der Name dieser blöden Krankheit. Ah, jetzt weiß ich’s wieder. Zorro! Nein, nicht die Krankheit. Der Typ mit den schwarzen Klamotten und mit der Peitsche. Die Krankheit heißt Alzheimer. Will niemand bekommen. Okay, man will überhaupt keine Krankheit bekommen. Krankheiten sind blöd. Außer vielleicht Schwangerschaft. Aber das ist ja eigentlich keine Krankheit.

 

Jedenfalls, ich wäre gern wie Zorro. Innendrin bin ich längst wie Zorro. Schon immer. Ich würde so manchen Leuten zu gerne mein „Z“ auf die Stirn oder auf den Hintern peitschen, brennen, schneiden. Schon lange!

 

Zorro hat jeden, der ihm in die Quere kam, mit seinem „Z“ versehen. Räuber. Mörder, (bevor er sie kalt gemacht hat). Vergewaltiger. Einbrecher. Blödmänner. Beutelschneider. Einfach jeder, der es verdient hat, hat eins bekommen. Super!

 

Schwarze Klamotten, schwarze Augenmaske, schwarze Peitsche. Schwarze Schuhe. Schwarzer Hut. Einfach alles in Schwarz. Handschuhe natürlich auch. Schwarze Unterwäsche bestimmt auch. Praktisch, braucht man alles nicht so oft zu waschen.

 

Würde mir auch gefallen! Oft! Eigentlich jeden Tag! Kostüm an und die Torfnasen bestrafen!

 

Okay, Schwarz würde mir jetzt vielleicht nicht so gut stehen. Ich bin etwas zu klein für Schwarz. Man würde mich wahrscheinlich „Kleiner Zorro“ nennen. Klänge jetzt nicht so gut. Vielleicht müßte ich eine andere Farbe für mein Outfit wählen. Gelb? Nein, bin ja nicht Biene Maja. Grün? Hm, wäre ja jetzt angesagt. Rot? Blau? Lila? Nee, lila nicht. Muß ich noch drüber nachdenken. Auf jeden Fall bräuchte ich schonmal unsichtbare hohe Absätze.

 

Jeder, der mir quer käme, würde ab sofort mit meinem „Z“ verziert. Bahnschaffner, die blöde Fragen stellen, Verkäuferinnen im Supermarkt, die die Wurstscheiben mit bloßen Händen anfassen, Typen, die sich an Warteschlangen (und an mir) vorbeidrängeln, nervige Polizisten, unverschämte Drängler auf der Autobahn, (ja, OK, ginge nicht, höchstens die im Cabrio), dumme Security-Leute im Flughafen, alle.

 

Auch wenn ich etwas Neues haben wollte, würde erst einmal ein „Z“ reingeschnitten. Oder sollte ich sagen: Tätowiert?

 

Zum Üben nähme ich erst einmal ein großes Stück Käse. Die Verkäuferin müßte ihn nur einfach vor sich halten. Ruckzuck das „Z“ rein. Oder ins Brot. Ins Schnitzel, wenn’s groß genug wäre.

 

Später dann ins neue Auto. In beide vordere Türen. „Gehört Zorro!“ hieße das. Sähe doch gut aus! Auf den neuen Flachbildschirm. Nein, nicht vorne, ich bin doch nicht blöd, Mann. Hinten!

 

Frauen bekämen ein zierliches „Z“ auf die, ähm, Pobacke. „Zorro was here“.

 

Könnte ich mir alles ganz gut vorstellen.

 

Aber, leider, alles nur ein Wunschtraum. Ah, es geht wieder ein Stück weiter, ich kann wieder ein kleines Stück in der Warteschlange weiter vorrücken...

 

 

 

 

 

© 2013 Wilfried R. Virmond


 

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Aktualisiert: 09.05.2020